Hier entsteht im 20. Jahr unseres Bestehens unsere Geschichte

Aufgeschrieben von Elke Jantzen

Ich werde versuchen ein paar markante Punkte unseres wechselvollen Lebens im Laufe der Jahre seit 1996 zu schildern.

Heute, am 5.April 2016, möchte ich die ersten Zeilen schreiben.

 

Genau vor 20 Jahren, erkundeten wir das erste Mal diesen Flecken Erde. Ab 1.6.1996 konnten wir dann hier seßhaft werden. Voller Tatendrang, Optimismus, Ideenreichtum und genug Selbstvertrauen begannen wir unseren Traum von der Selbständikeit zu verwirklichen. Wir waren angetreten den Leuten gute Lebensmittel vom Geflügel, in bäuerlicher Tradition produziert, direkt,  ohne Zwischenhändler, anzubieten. Klein wollten wir bleiben, keine großen Schulden machen, endlich Zeit haben für uns und unsere heranwachsenden Söhne - es kam etwas anders. Klein sind wir immer geblieben, die Schulden waren immer zu tilgen, aber Zeit hatten wir nur sehr selten. Wir nahmen sie uns dann einfach, oft mit schlechtem Gewissen, weil ja noch nicht alles fertig war!!!

Dabei lernten wir viele Freunde kennen, selbst Idealisten wie wir, die auf ähnlicher Weise unterwegs waren, hier konnten wir unsere Gedanken teilen.

Wie alles begann:

Am 31.5.1996 unterschrieben wir unseren Pachtvertrag, für dieses Stück Land mit allen dazugehörigen Gebäuden, im Landwirtschaftsministerium in Schwerin. Der damalige verantwortliche Mitarbeiter im Ministerium fragte mich, ob ich denn auch schon dort (im Wald) war und ob ich das kenne, also seine Frau würde das nicht mitmachen!!! Natürlich waren wir schon paar mal hier gucken, der Reetdachdecker hatte sogar schon einen Kostenvoranschlag gemacht für den First des Bauernhauses.

Also ich packte einen kleinen Picknickkorb, unsere Jungs kamen von der Schule und los ging es zu unserem Abendteuer. Unsere Hündin war natürlich auch dabei. Wir hatten ein riesiges Schlüsselbund, aber keiner paßte für die Bungalows, die hatten wir bis dahin nur von außen bestaunt und da wollten wir in paar Wochen wohnen. Also kam mit uns der Schlüsseldienst im Wald an und somit hatten wir auch die erste Rechnung, für unser baldiges neues zu Hause. Die Ställe hatten wir schon genaustens inspiziert, auch im alten Bauernhaus, wo es durchregnete, waren Schlupflöcher.

 

So sah das alte Bauernhaus mal im vorigen Jahrhundert aus, ca. 1930. danke dem Spender für diese Aufnahme. Als wir kamen war der obere First leider schon defekt, es regnete durch, im hinteren Teil waren die Stalldecken im desolaten Zustand, es gab einen Wasserhahn im Haus, keine Toilette und trotzdem hatte das Haus es uns vor allem angetan, ein Traum nicht nur von Selbständikeit im Arbeitsleben sondern auch im reellen täglichen Leben - wie auf einer einsamen Insel, alles konnten und mußten wir alleine lösen, da standen uns Aufgaben bevor, die wir gerne anpackten. Auch unsere Jungs waren voller Euphorie bei all' den neuen Herausforderungen, aber vielleicht erzählen sie selbst an späterer Stelle, wie es ihnen damit ging, was sie für Erfahrungern gemacht haben.

24.5.2016

"Gut gemeinte" Sprüche von unseren zahlreichen Besuchern, die gucken wollten, wo wir abgblieben waren:

- Paß auf, der zieht mit dir in den Wald!

- Das alte Haus, da bleibt nur noch der Abriß!

- Oh, ist das hier schön, aber wohnen und nachts, das könnt ich nicht.

Eröffnung unseres Hofladens

Am 1.11.1996 war es soweit:  Unser Schlachthaus mit neuen Fenstern, Fußböden, Türen war von der Veterinärbehörde abgenommen, der Hofladen entstand im alten Brutraum, wir hatten einen Tierbestand aufgebaut, woraus wir schon die ersten Masthühner und -hähne und ein paar Enten schlachten konnten, es gab schon eigene Hühnereier, dazu besorgten wir uns paar Sanddornprodukte aus Ludwigslust, Milch und Milchprodukte vom Hof Weitenfeld und paar schmackhafte Eiernudeln von einem kleinen süddeutschen Produzenten. Eine angagierte Werbefrau hatte uns einen tollen Werbezettel entworfen, denn wir mußten ja den Leuten mitteilen, dass sie jetzt im Wald etwas tolles, nie Dagewesenes kaufen konnten. Da waren unsere Jungs mit ihren neuen Freunden mit von der Partie, mit zwei Autos und jeweils 3 Kindern verteilten wir eine Woche vor Eröffnung im gesamtem Umfeld an den Haustüren unsere Werbezettel und dann wurden Harald und ich ganz doll krank - absoluter Stress ( hohes Fieber, absolute Schwäche, dicke Halsentzündung) - die Situation: Geld alle, wohnen auf engstem Raum in den Bungalows, die letzten Wochen gearbeitet bis zum Umfallen, die Frage stand, kommen die Leute wirklich und kaufen etwas    und      es wurde. 

Wir schlachteten in diesem ersten Herbst mit großem Aufwand unsere Tiere. Harald war damals noch außerhalb tageweise arbeiten, aber auch das schafften wir, auch hier mußten die Jungs helfen, z.B. schon vor der Schule mit mir die Tiere einfangen, abends halfen sie mir noch Tiere füttern oder mußten Abendbrot machen oder sich um Oma kümmern, die pflegebedürftig im Bett lag.

Weihnachten feierten wir glücklich und zufrieden, die Kunden hatten uns gefunden, die guten Flugenten waren viel zu früh alle, unser Konzept direkt die eigenen langsam gemästeten Tiere den Kunden anzubieten war aufgegangen,

24.5.2016

Ostereiersuchen auf dem Geflügelhof

Na, wer kann sich noch an die Osterfeste erinnern, es war immer schön: Osternester für die Kleinen - in den ersten Jahren umsonst, später für einen kleinen Obolus, Osterhase, viele schöne Spiele, Gulaschkanone mit Erbseneintopf, Kuchen von lieben Frauen und die Dudelsackspieler, immer am Samstag vor dem Ostersonntag von 10 - 14.00 Uhr steppte hier im Wald der Osterhase,

1997 war das erste Fest, sehr klein mit Schmalzstullen, Waffelbacken, Eierlaufen, Sackhüpfen, Gänseeier bemalen, Kaffee aus einer Thermoskanne, Paar Flaschen Brause für die Kinder, es sollte sich rumsprechen und hat es auch

Bis 2005 war jeden Ostersonnabend hier richtig was los, zuletzt hatten wir wohl 1000 Gäste, 40 Freunde und Verwandte halfen uns, 1 Monat arbeiteten wir an den Vorbereitungen, es wurde zuviel, aber ich muß den noch immer Nachfragenden, ob es denn in diesem Jahr ist:,  beipflichten -  Es war schön...

Unser Reetdachhaus

Im Januar 1997 rumorte und klopfte es im alten Reetdachhaus, Wände, teilweise die Decken und  Fußböden des Stallteiles wurden heraus gerissen. Neben der Versorgung der Tiere war jetzt der Hausbau wichtig. Der Platz in den Bungalows war doch begrenzt und ja auch nur als Übergang gedacht. Verwandte und Freunde packten mit an, wir nutzten jede freie Minute, für Spezialarbeiten halfen uns sachkundige Handwerker. Im Mai konnten wir schon auf der Diele, u.a. mit neuem Kronleuchter, die Jugendweihe unseres Jüngsten,  Ralf,  dort feiern. Ende August schliefen wir die erste Nacht in unserem neuen zu Hause, zwar waren noch keine Fenster drinne und die Haustür fehlte auch noch, aber jeder hatte ab sofort ausreichend Platz. Nach und nach wurde es komplett: Klöntüren, handgefertigte Kastenfenster, neue Küche, Bäder, Kamin - alles, wie wir es uns paar Jahre vorher nie erträumt hätten. Weihnachten feierten wir glücklich mit der Großfamilie und einem riesigen hausaufgezogenen Putenbraten.

3.8.2016

 

Wir hatten ein glückliches 1998, der Tierbestand wuchs weiter an, immer mehr Kunden kamen auf unseren Hof. Wir konnten mit unserer Fachkompetenz  beim Verkauf von Lebendgefügel überzeugen, viele Tierhalte waren über beratende Gespräche sehr froh. Im Hofladen wurden unsere Produkte des geschlachteten Geflügels, aber auch schon der Beginn einer kleiner Palette von Weiterverarbeiteten, geschätzt. Eine größere Herde von Bio- Freilandhühnern hatten wir aufgebaut, wobei ein Teil der Eier zu einem Großhändler ging, wir aber auch erste Kontakte mit Bio-Händlern in Schwerin aufnahmen. Alles war auf einem guten Weg, denn vor allem hatte sich ja auch unsere Wohnatmosphäre enorm verändert. Die wenige Freizeit  nutzten wir für beginnende Freundschaften im nahegelegenen Dorf, Kontakt zum Verein der Lützower Jäger entstand, denn die Theodor Körner Gedenkstätte im Rosenower Forst war nur 500 m von uns entfernt und wir wollten wissen, was es damit auf sich hatte. Zu allem bekamen wir Lust den Waldbesuchern frischen Kuchen auf unserer Wiese anzubieten, was sehr gut angenommen wurde, es war ein schöner Sommer. Am Abend, wenn Ruhe einkehrte und wir vier hier zufrieden unser hier genießen konnten, hatten wir ein gutes Gefühl, bis hier hin hatten wir viel Arbeit, aber es zahlte sich auch schon aus, wir waren überzeugt, dass wir einen richtigen Weg gehen.

Plötzlich war alles ganz anders - am 15.12.1998 brannte unser Traum, das schöne Reetdachhaus, bis auf die Grundmauern nieder. Nichts war mehr so, wie vorher, es war nur schlimm.

Ein nie gekanntes Räderwerk setzte sich in Bewegung: amtliche Stellen ergründeten die Ursachen, Freunde, Verwandte, Bekannte, Kunden, die Dorfbevölkerung, Funk, Presse - alle halfen, wo sie konnten, es war eine enorme, im Moment für mich noch immer nicht in Worten zu beschreibende, Hilfe, Unterstützung für uns einfach so da, wir waren nicht alleine in diesen Tagen vor dem Weihnachtsfest 1998. An dieser Stelle, wer das liest und dabei war, vielen lieben Dank für alles, was Ihr für uns geleistet habt. - am 24.12. feierten wir bei meinen Eltern das Weihnachtsfest, wir hatten auch ohne Bestellisten ( die waren auch verbrannt), alle Schlachttiere verkauft, die Schlachthelfer bekamen immer eine warme Mahlzeit, verschiedene Frauen brachten nach einem Plan das Mittagessen, es kamen ganz viele Sachen bei uns an, wir bezogen in den Tagen ein Ferienhaus in Rosenow für unbestimmte Zeit, auf dem Hof wurden Baucontainer aufgestellt -wir funktionierten, was ein Mensch aushalten kann, habe ich in diesen Wochen erfahren. Mir half dabei, das Denken an meine liebe Oma, die mal in den Wirren des 2.Weltkrieges ihren Hof innerhalb von 24 Stunden verlassen mußte und auch nichts mehr hatte und es auch weiter ging. Wir waren gesund, wir hatten einen gut aufgestellten Betrieb, viele liebe Freunde. Mein Vater meinte damals:  Bei der Flucht hatten alle nichts, jetzt können wir aber alle Euch helfen.

Unsere Söhne haben das natürlich alles auch mitgemacht, sie waren gleich am nächsten Tag wieder in der Schule, sie waren erst einmal bei Freunden unter gekommen, die auch Schultaschen und das nötige erste Schulmaterial für sie hatten. Keiner von uns vier wurde psychologisch betreut, es sitzt immer noch tief.

Was wir vier gelernt haben, dass es immer weiter geht, dass man sich auf Freunde verlassen kann und dass alles lösbar ist, wenn man ein Ziel hat und zusammen hält.

Unser neues Zuhause

Bauen im Außenbereich, Priviiegiertes Bauen - das sind die Wörter im Baurecht für unseren Neubau, nur die Tatsache, dass wir Landwirte im Haupterwerb waren, ermöglichte uns einen Wiederaufbau des Wohnhauses. Die Hürde war genommen, aber dann die Versicherung, das Bauamt uberhaupt, alle Amtswege sind wir gegangen, und    am   8.7.1999 war Richtfest!!!!

Wir hatten neben den Handwerkern, auch unsere Verwandten und natürlich die Helfer vom Dezember zuvor eingeladen, alle sollten sich mit uns freuen, es war ein schönes Fest.

Am Aband saßen wir mit dem harten Kern schon mal Probe um den Kamin in der Stube, der noch gar nicht stand.

Dank der guten Organisation des Bauträgers und der fleißigen Handwerker konnten wir schon zum 1. Advent in unser neues Haus einziehen, was war das für ein Fest, es war geschafft.

Den Jahreswechsl in das neue Jahrtausend feierten wir mit Freunden in unserem neuen Heim.

 

Und weiter geht's

Das Jahr  2000 stand nun wieder ganz im Zeichen der weiteren Entwicklung unseres Betriebes.

Beim Lebendtierverkauf bauten wir auf die ursprünglichen Hühnerrassen, verschiedene Enten- und Gänserassen belebten den Hof, eine Elterntierherde Fasane wurde aufgebaut, die Wachteln legten in einem neuen Stall fleißig ihre Eier. Die Taubenzucht wurde herunter gefahren, der Absatz von geschlachteten Tauben an die Hotelerie erwies sich als schwierig mit uns als Vollblutproduzenten, aber nicht Verkaufsspezialisten im Dschungel des harten Vertriebssystems und Preiskampfes.
Wir hatten zwei Mitarbeiter, schlachteten jetzt wöchentlich, der Hofladen lief sehr gut.

Urlaub auf dem Bauernhof

Ein neuer Betriebszweig kam dazu: die Ferienvermietung.

Im Sommer 2000 konnten wir die ersten Urlauber begrüßen, ein völlig neues Aufgabengebiet, das besonders auf meinen Schultern lag, kam hinzu. 

Die Einrichtung der Wohnungen, die Werbung in Katalogen, ein neuer Flyer, das Internet mit einer eigenen homepage, viel Neues und Interessantes, und auch die Menschen, die nun neu auf unsern Hof kamen.  Der Hof mußte neu konzipiert werden, nicht alle mögen den direkten Kontakt mit den Tieren, welche Möhlecke muß noch aufgeräumt werden, wo sitzen die Urlauber, wo finden wir am Abend unsere Ruhe. Es war eine Herausforderung, der wir uns neu stellen mußten, die wir auch anfangs unterschätzt haben. Kontakte mit anderen Vermietern, aber auch die Mitgliedschaft in der AG Landurlaub MV und deren Hilfe durch die Mitarbeiter haben uns geholfen. Aber auch unser gesunder Menschenverstand und die Vorstellung, wie würden wir gerne Urlaub machen, haben uns geholfen doch eine gute Auslastung zu entwickeln, nette Gäste zu haben, die freudig und gut erholt wieder die Heimreise antreten.